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Schicksalsgunst und Regenschleier

  • Beitrags-Kategorie:Rudern

Am jüngsten Sonntage, dem 6. August des Jahres 2023, begaben sich unsere hochverehrten Ruderer auf einen wagemutigen Tagesausflug entlang der majestätischen Fluten der Donau. Der Ausgangspunkt dieser unvergesslichen Unternehmung war die Bootsschleuse zu Vohburg, von wo aus sie ihre Reise antraten, jene schimmernde Wasserstraße hinabgleitend, deren silbriger Pfad sie über stolze 34 Kilometer bis zu den Pforten von Kehlheim führen sollte. Und von jenem Punkt, nicht ohne einen zaghaften Blick gen Himmel, setzten sie die Entdeckungsreise fort, in aufopfernder Wonne, ein kurzes Stück flussaufwärts auf der Altmühl, um der nächsten Schleuse sich in demütiger Ehrerbietung zu nähern.

Die Planung dieses furchtlosen Unterfangens reifte bereits in den Tagen, die dem Sonntage vorausgingen, als sich dreizehn Wagemutige für die Herausforderung anmeldeten. Doch, ach, die Götter der Meteorologie schienen wenig geneigt, die Pfade der Sterblichen zu begünstigen, denn kalte Winde und Regengüsse umhüllten die Welt in ein graues Gewand der Verzagtheit. Dennoch, oh rühmenswerte Gunst des Schicksals, am Vorabend jenes Ereignisses brach eine Kluft im dichten Gewebe der Wolken auf, eine flüchtige „Schönwetter-Lücke“, die sich für geraume Stunden der Sonne und ihrer strahlenden Gesellen öffnete. Rasch ergriffen die Tapferen ihre Gelegenheit und am frühen Sonntagmorgen zur siebten Stunde schließlich begaben sich die Dreizehn in keckem Gefolge mitsamt Bootstrailer nach Vohburg. Dort, unterhalb der ehrwürdigen Bootsschleuse, wurden die Boote, wie mutige Pioniere aufbrechend zu neuen Ufern, ins Wasser entlassen – zwei Vierer mit Steuermann und ein Zweier mit gleichermaßen kundiger Führung.

Die Donau, von tagelangem Regen gesättigt, zeigte sich als strömende Macht, die die Boote mit einer wohltuenden Rasanz von fünfzehn bis achtzehn Kilometern pro Stunde auf ihrem Gewässer tänzeln ließ. Und so geschah es, dass bereits zur Mittagsstunde, dem zwölften Glockenschlag des Tages, die Boote den Ort der Einkehr erreichten – das ehrwürdige Kloster Weltenburg. Ein Biergarten lud zur Rast, und die Asam Barockkirche, ein Juwel vergangener Zeiten, öffnete ihre Pforten für die Ehrfurcht der Ruderer.

Doch ach, wie das Schicksal es so oft will, kurz nachdem die Recken sich wieder von jener heiligen Stätte erhoben, entlud sich der Himmel in einem stürmischen Regenschauer, der die Gabe der Sicht beinahe gänzlich entzog. Der Glanz des Donaudurchbruchs, zwischen den steilen Felsen des Ufers, war nur durch den dichten Vorhang des Niederschlags zu erahnen. Doch das Rad der Fügung sollte sich abermals drehen, und als die Reisenden den schützenden Schoß der Altmühl erreichten, hatte der Regen bereits den Rückzug angetreten. So vermochten die Boote, nun wieder im Trockenen, emporgezogen und entkleidet von den Mitteln des Fortschreitens, dem Element zu entkommen.

Einige Zeit verstrich, während ein Wackerer der Truppe die mühselige Aufgabe des Zurückholens des Zugfahrzeugs samt Trailer in die Hand nahm. In jener Zeit, in der die Restlichen verblieben, um das Kommen ihres Gefährten zu erwarten, schmiegte sich bisweilen sanfter Regen wie ein milder Schleier über die Szenerie. Neben dem schützenden Dach einer Buswartehalle verharrten sie, im Bannkreis der Körperübungen des Yoga, jenes uralten Pfades zur Einheit von Leib und Geist. So zog die Zeit dahin, bis endlich der Führer des Gefährts erschien, das Gespann sich erneut vereinte und die Gefährten des Ruderabenteuers dem grauen Horizont entgegenzogen, hinfort getragen von den Fluten der Erinnerung und dem stillen Rauschen der Donau, das nun nicht mehr nur im Äußeren, sondern auch in ihren Herzen allmählich verhallte. –  RoSc / ChJu